Peter Nitsch wurde in der Oberpfalz in Ostbayern geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Zunächst studierte er an der Fachhochschule München Kommunikationsdesign. Nach mehreren Jahren als Designer begann er als freischaffender Fotograf zu arbeiten.

Beeinflusst von seiner Niemandsland-Kindheit in der Oberpfalz und der deutschen Skaterszene der späten achtziger Jahre, handeln Nitschs visuelle Erzählungen von Menschen im Dialog mit dem Leben. Seien es individuelle oder kollektive Identitäten, die sich durch eine klare und prägnante Darstellung in der Fotografie zeigen – nutzt er den sozialen Kontext und die (urbane) Landschaft, um die Signatur des Menschen in Bezug auf kulturelle und interkulturelle Realitäten zu erforschen.

Nitsch veröffentlichte seine erste Monographie Bangkok – Urban Identities in 2006. Aktuell ist seine neueste Monografie Tango in the Big Mango bei Hatje Cantz erschienen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, beide als Designer und Fotograf. Er war Mitbegründer von Europas erstem Crossover Skate- und Snowboard Magazin Playboard und des Corporate Design Studios RUPA.

2020 wurde er zum Mitglied der Royal Photographic Society of Thailand berufen.

Fordlândia9 von JM Ramírez-Suassi

JM Ramírez-Suassi und ich haben uns über Instagram kennen und schätzen gelernt. Wie es so ist, surft man vor sich hin und der Algorithmus spuckt einen Vorschlag auf den Bildschirm, der zu einem passen könnte – in diesem Fall lag er richtig. Wenig später sind wir in Kontakt getreten und auch geblieben. Als sein Buch Fordlândia9 herauskam, war ich sehr angetan vom Aufbau des Buches und der zwischenweltlichen Stimmung der Fotografien. Fordlândia9 ist ein Fotobuch auf der Suche nach Henry Ford’s Utopia. Der US-amerikanische Autobauer wollte in den 1920er Jahren preisgünstig Autoreifen herstellen. Wegen Missmanagements und technischer Weiterentwicklung bei der Gummireifen Herstellung wurde das Projekt im Amazonas-Regenwald ein Millionengrab. Obwohl Fordlândia oft als Geisterstadt bezeichnet wird, leben dort heute noch über 1000 Einwohner. Fordlândia Ansicht ist gut dokumentiert und JM Ramírez-Suassi ging es auch nicht um eine klassische Fotodokumentation, sondern um die Idee Utopia, nicht um den Ort – er hat sich aufgemacht den verlorenen Mythos noch einmal ins Fotogedächtnis zu rufen und einzufangen. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher, welches ich immer wieder gerne zur Hand nehme und durchblättere. Chapeau!

Retroperspektiv von Lars Tunbjörk

Der schwedische Fotograf Lars Tunbjörk starb am 8. April 2015. Er war auf dem Weg von seinem Haus in Södermalm in Stockholm, um einen Freund in einem Café in der Innenstadt zu besuchen, als sein Herz aufgab. Er war ein Fotograf, der auf warme, aber oft tragikomische Weise an der Alltäglichkeit des Alltags arbeitete. Seine Bilder verstärkten die absurdesten Aspekte des modernen Lebens auf surreale Weise, indem sie das harte Licht der Blitzfotografie verwendeten, das zu seinem Markenzeichen wurde. Für ihn war die Kamera ein Schutz, aber auch gleichzeitig ein Werkzeug um mit Menschen in Kontakt zu kommen und auch in Gewisser weise etwas über sich selbst zu erfahren. Tunbjörk verwendete die Fotografie auch, um über die dunklen Teile seines eigenen Lebens zu sprechen. In seinem Projekt Vinter fotografierte er seinen eigenen Kampf aus den leeren, dunklen Fahrstuhlschacht-artigen Tiefen einer Depression, die er nach einem Herzinfarkt erlitt. Seine Bilder sind sehr facettenreich und zeichnen in Retroperspektiv ein Bild eines bescheidenen, aber Bildgewandten Fotografen, der wusste, wie man Geschichten erzählt und auch verarbeitet. Das Buch ist für mich eine der schönsten Hommagen an das Leben und die Fotografie.

The White Sky von Mimi Plumb

Auf das Buch The White Sky von Mimi Plumb wurde ich in 2020 aufmerksam, als ich nach Fotografien über kalifornische Vororte zu recherchieren begann. Das konservierte Zeitdokument in Schwarzweiß mit einer Spanne von 1972-78 ist ein Blick in den Vorort Walnut Creek am Fuße des Mount Diablo. Als die Serie über vorstädtische Jugendliche entstand, war Mimi Plumb selbst Anfang ihrer Zwanziger Jahre. Eine unaufgeregte, aber starke Ansammlung von authentischen Momenten einer „embedded twen“ Fotografin, die selbst die Aufnahmen nicht nur abgelichtet, sondern auch erlebt hat. Punkt.