
Am Anfang meines Weges stand eine handwerkliche Ausbildung zur Fotografie.
Dann ging es hin und her. Brachte mich weit weg – ins Digitale, zu Daten und Visualisierungen.
Und immer wieder näher ran – zu Büchern, Magazinen, Ausstellung – und zuletzt zur laif foundation for independent photojournalism.
Das Fotobuch hat für mich auf diesem Weg ein besondere Bedeutung, weil es meine konstante Verbindung zur Fotografie ist. Seit ein paar Monaten treffe ich mich regelmäßig mit Freunden, die die Leidenschaft fürs Fotobuch teilen, jeder bringt ein Buch, stellt es vor, wir erkunden und diskutieren es und immer sind wir vor dem Bücherregal von einem von uns und greifen (endlich wieder) hinein.
Das ist wunderbar, führt zu zahlreichen Neu- und Wiederentdeckungen. Hier sind drei davon:

Beirut von Gabriele Basilico
Mit diesem Buch verbinden sich verschiedene Erinnerungen. Daran, dass ich die Ausstellung im Pariser Palais de Tokyo sah und von der Intensität der schwarz-weißen Bilder vom zerstörten Beirut nachhaltig beeindruckt war. Daran, dass ich in meiner Assistenzzeit bei Palladium Photodesign in Köln neben Basilico auch andere italienische Fotografierende kennen und schätzen lernte (z.B. Olivo Barbieri, Lughi Ghirri).
Daran, dass ich später die Schönheit und Gastfreundschaft von Beirut kennenlernen und den wunderbaren Buchladen Papercup besuchen durfte. Daran, dass Basilico auch das wiederaufgebaute Zentrum Beiruts dokumentierte und daran, dass diese Stadt jetzt wieder zerstört ist. Das Buch ist in dieser Ausgabe von Art& kein besonderes Objekt, aber ich weiss sehr zu schätzen, dass es diese einfachen und bezahlbaren Fotobücher gibt, die einem auch mit wenig Geld, die Möglichkeit geben in Themen einzusteigen und eine eigene Bibliothek aufzubauen. Das gilt z.B. auch für die Reihe Motta Fotografia oder für Photo Poche.
Momente der Architektur von Iwan Baan
Ich habe mich mit meinen eigenen Bildern zwischen Architektur- und Reportagefotografie bewegt und war der Meinung, dass Räume und Gebäude nicht nur kerzengerade und menschenleer zu fotografieren sind. Gerade der Mensch im gebauten und bebauten Umfeld zeigt uns doch viel mehr über das Leben, über Funktion und Wirkung von Architektur. Diese Idee war damals nicht populär.
Meine Einsendungen zu einem Architekturfotowettbewerb erhielt ist postwendend zurück. Aber in der Arbeit von Iwan Baan finde ich diese Idee und diesen Blick in wunderbarer (und natürlich viel besserer) Weise wieder. Wie er es geschafft hat zum Chronisten einer Architekturepoche zu werden und wie er dabei sowohl fotografische Ikonen liefert (das Bild vom Stromausfall in Manhattan), wie auch sozial-kritische Betrachtungen (rund um die Baustellen von Mega-Projekten z.B. in Beijing) beeindruckt mich. Und dankbar war ich auch für ein langes Telefonat mit Iwan als wir an einem Redesign des italienischen Domus Magazin arbeiteten und verstehen wollten, was aus Sicht des Architekturfotografen wichtig und möglich wäre. Dieses Buch hier ist zunächst der Katalog zu Iwans Ausstellung im Vitra Museum in Weil am Rhein. Aber wunderbarer Weise gelingt es hier, sowohl die lockere, sehr besondere Ausstellungsgestaltung als auch die ebenso lockere, wie präzise Arbeitsweise des Fotografen in das Buchobjekt zu übersetzen.
Das gelingt nicht oft. Auch das kompakte Format, die vielen Seite machen Sinn, wenn man daran denkt wieviel Iwan Baan fotografiert und dafür reist. Die japanische, offene Bildung macht das Buch trotzdem handhabbar – nur die halbtransparente Banderole empfinde ich als prätentiös.
Für mich ein sehr wichtiges Werk, da es themenübergreifend alles tatsächlich fotografierbare wundervoll und poetisch verbindet. Penn ist aber auch Meditation für mich. In seinen Motiven finde ich Ruhe. Seine Bilder haben sicherlich meine unaufgeregte Herangehensweise beim Fotografieren geprägt.


Local Studies von Joel Tettamanti
Zum Schluss ein eigenes Projekt – ich hoffe, dass ist OK? Im kleinen, eigenen Verlag etc-publications haben Nicolas Bourquin und ich u.a. zwei Bücher mit dem Schweizer Fotografen Joel Tettamanti herausgegeben. Gerade das erste „Local Studies“ war wunderbar lehrreich. Wir haben tausende Bilder im abgedunkelten Apartment in Barcelona gesichtet, sortiert, verdichtet, wieder aufgelöst. Am Ende kamen wir zu einem – wie ich immer noch finde – spannenden Konzept.
Das gesamte Buch ist ein Index, alphabetisch sind da z.B. die Namen der Orte aufgeführt und beschrieben, an denen die Bilder entstanden sind. Exotische Namen tauchen auf wie Qaqortoq, Maloting oder Tchalis und dort, wo im Index der Name auftaucht erscheinen dann auch die Bilder.
Außerdem verzeichnet der Index aber auch andere, eher assoziative Begriffe aus einem Interview mit dem Fotografen und Gastbeiträge von Autor:innen und anderen Fotograf-ierenden. Das geht es um Schnee, Landschaft, Licht oder Familie. Und in einer Art Hypertext sind die Texte auch mit Querverweisen versehen. Es macht mir noch heute großen Spaß, dieses Buch in die Hand zu nehmen, es irgendwo aufzuschlagen und durch dieses System aus Querverweisen auf die Reise zu gehen.
Eine Reise war dieses Buch auch deshalb, weil wir damit für etc-publications wirklich alle Schritte von der ersten Idee, über die Redaktion, Gestaltung, Produktion, Kommunikation bis zum Vertrieb selbst machen und dabei lernen mussten.